#19 Wenn Gott nicht in Schubladen passt
Shownotes
Viele Menschen glauben heute nicht mehr an einen strafenden Gott – und trotzdem tragen sie Bilder von Gott in sich, die Distanz schaffen statt Nähe.
In dieser Podcastfolge geht es um das zweite Gebot (2. Mose 20,4–6) und darum, wie aktuell es heute noch ist.
Ich teile offen meine persönliche Geschichte: ein Gottesbild, geprägt von Angst, von einem strengen Gott und von schmerzhaften Erfahrungen mit Menschen, die es mir lange schwer gemacht haben, Gott als liebenden Vater zu sehen.
Wir sprechen darĂĽber,
– was das zweite Gebot heute bedeutet – wie falsche Gottesbilder entstehen – warum auch „Ich selbst“ oder „das Universum“ zu modernen Ersatzbildern für Gott werden können – und warum Gott kein unpersönliches Prinzip ist, sondern Beziehung sucht
Diese Folge ist für dich, wenn du Gott glaubst, aber ihm schwer vertraust. Wenn Nähe für dich kompliziert ist. Oder wenn du spürst, dass dein Bild von Gott dich eher gefangen hält als frei macht.
Am Ende dieser Folge bete ich nicht nur fĂĽr mich, sondern ganz bewusst fĂĽr dich.
Transkript anzeigen
00:00:00: Heute geht es in meinem Podcast, wenn Gott nicht in Schubladen passt.
00:00:05: So verstehe ich das zweite Gebot heute.
00:00:09: Es findest du in Zweite Mose, zwanzig, vers vier bis sechs.
00:00:14: Du sollst dir kein Bildnis machen.
00:00:16: Weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist.
00:00:28: Bete sie nicht an.
00:00:29: und diene ihnen nicht.
00:00:32: Vielleicht kennst du das.
00:00:34: Du hörst von Gott, aber innerlich spürst du Distanz.
00:00:37: Nicht, weil du nicht glauben willst, sondern weil das Bild, das du von Gott hast, sich nicht nach Liebe anfĂĽhlt.
00:00:46: Heute geht es um etwas, das in der Bibel sehr klar klingt, aber unglaublich viel mit unserem Herz zu tun hat.
00:00:54: Nicht mit Regeln, sondern mit Beziehung.
00:00:57: In der Bibel steht Sinn gemäß.
00:00:59: Du sollst dir kein Bildnis von Gott machen.
00:01:02: und lange dachte ich, das hat doch heute kaum noch Bedeutung.
00:01:06: Ich bete keine Statuen an, ich habe keine GĂĽrzen aus Holz oder Stein.
00:01:10: Aber desto mehr ich darĂĽber nach dachte, desto mehr verstand ich.
00:01:14: Das zweite Gebot ist heute vielleicht aktueller denn je.
00:01:19: Ich bin mit einem Gottesbild aufgewachsen, das mir mehr Angst gemacht hat als Hoffnung.
00:01:24: Meine Mutter hat mir bewusst oder unbewusst einen Gott vermittelt, der jede noch so kleine SĂĽnde sieht und sofort bestraft.
00:01:32: Gott war für mich jemand, bei dem man ständig aufpassen musste, jemand, der Fehler zählt, jemand, der streng ist.
00:01:40: Und dann kam meine eigene Erfahrung mit Menschen dazu.
00:01:44: Menschen, die mir wehgetan haben, Menschen, die Dinge getan haben, die nichts mit Liebe zu tun hatten und trotzdem von Gott gesprochen haben.
00:01:53: Und all das hat sich vermischt.
00:01:55: Ich habe an Gott geglaubt, aber ich habe ihn nicht vertraut.
00:02:00: Und genau hier wurde für mich das zweite Gebot plötzlich ganz persönlich.
00:02:23: Und auch nicht in deinem Inneren.
00:02:26: Vielleicht glaubst du an einem strafenden Gott und denkst, wenn ich einen Fehler mache, ist Gott enthäuscht von mir.
00:02:34: Oder an einen leistungsabhängigen Gott.
00:02:37: Wenn ich genug bete, genug glaube, genug richtig mache, dann liebt Gott mich.
00:02:43: Oder an einen fernen Gott.
00:02:45: Gott ist da irgendwo.
00:02:47: Aber nicht wirklich in meinem Alltag.
00:02:49: Oder du hast Gott festgelegt auf das, was du erlebt hast.
00:02:54: So wie ich Gott erfahren habe, so ist er.
00:02:57: Aber Gott ist größer als eine Erfahrung und auch größer als eine Enttäuschung.
00:03:04: Und dann gibt es noch eine Form, sie ist unglaublich verbreitet.
00:03:09: Viele Menschen glauben heute nicht mehr an einen strafenen Gott.
00:03:14: Stattdessen glauben sie, ich bin meine eigene höchste Macht.
00:03:19: Das Universum wird es schon richten.
00:03:22: Auf den ersten Blick klingt das frei, unabhängig, stark.
00:03:27: Aber wenn wir ehrlich sind, ist auch das ein Bild, das wir uns machen.
00:03:32: Wenn ich selbst die Höchste macht bin, dann trage ich auch die ganze Last.
00:03:36: Dann muss ich stark sein, darf nicht scheitern, dann darf ich nicht schwach sein.
00:03:42: Und wenn das Universum entscheidet, bleibt Gott eine Energie.
00:03:47: Aber kein Vater, kein GegenĂĽber, keine Beziehung.
00:03:51: Auch das ist ein Bild.
00:03:53: Kein Bild aus Stein, sondern ein Bild, das Gott ersetzt.
00:03:58: Durch mich selbst oder durch etwas Unpersönliches.
00:04:01: Vielleicht ist es einfacher, an sich selbst zu glauben oder an das Universum, wenn Nähe einmal wehgetan hat, wenn Vertrauen enttäuscht wurde.
00:04:12: Ich merke bis heute, dass es mir lange Zeit schwer viel Gott als liebenden Vater zu sehen.
00:04:19: Nicht, weil ich das nicht wollte, sondern weil mein Inneres gelernt hat, dass Autorität oft wehtut, dass Nähe gefährlich sein kann.
00:04:28: Und dann soll Gott Vater sein, liebevoll, sicher.
00:04:33: Das war fĂĽr mich lange Zeit kaum vorstellbar.
00:04:38: Aber Gott ist nicht stehen geblieben bei dem Bild, das ich von ihm hatte.
00:04:44: Er hat mich nicht gedrängt, er hat mich nicht überfordert, er hat mir Zeit gegeben.
00:04:51: Und Schritt fĂĽr Schritt durfte ich merken, Gott ist nicht wie die Menschen, die mich verletzt haben.
00:04:57: Er ist kein strafender Beobachter.
00:05:00: Er ist ein Vater, der wartet.
00:05:04: Nicht um zu bestrafen, sondern um zum Armen.
00:05:10: Ich werde euch ein Vater sein und ihr sollt meine Kinder sein.
00:05:14: Zweiter Korinther, Sechs Vers Achtzehn.
00:05:17: Vielleicht geht es dir ähnlich.
00:05:19: Vielleicht drehst du ein Gottesbild in dir, das gar nicht von Gott kommt, sondern aus Erziehung, aus Verletzungen oder aus falschen Erwartungen.
00:05:31: Dann ist diese Folge fĂĽr dich.
00:05:35: Der Kern des zweiten Gebotes heute.
00:05:39: Das zweite Gebot sagt uns heute nicht, mach alles richtig.
00:05:45: sondern lass mich größer sein als deine Bilder von
00:05:49: mir.".
00:05:50: Gott sagt, leg mich nicht fest auf deine Angst.
00:05:55: Leg mich nicht fest auf deinen Schmerz.
00:05:59: Lass mich Gott sein.
00:06:01: Ein falsches Gottesbild hält uns nicht fern von Gott.
00:06:04: Es hält uns gefangen.
00:06:06: Vielleicht ist heute nicht der Tag, an dem du Gott völlig verstehst.
00:06:11: Aber vielleicht ist heute der Tag, an dem du ein altes Bild loslässt.
00:06:16: Vielleicht sagst du einfach, Gott, wenn du anders bist, als ich dich kennengelernt habe, dann zeig dich mir neu.
00:06:25: Und genau das ist der Anfang von Beziehung.
00:06:29: Ich möchte beten.
00:06:30: Gott, du siehst jeden Menschen, der diese Worte gerade hört.
00:06:35: Du kennst die Bilder von dir, die wir in uns tragen.
00:06:40: die aus Angst entstanden sind, aus Beziehung, aus Enttäuschung oder aus Verletzungen.
00:06:49: Ich bringe dir heute nicht nur mein Herz, sondern auch die Herzen aller, die gerade zuhören.
00:06:59: FĂĽr jeden, der gelernt hat, dass Liebe wehtut.
00:07:02: FĂĽr jeden, der dich eher als streng oder fernerlebt hat.
00:07:09: Für jedem, den es schwer fällt, dir zu vertrauen oder dich Vater zu nennen.
00:07:17: Gott, wir legen dir heute all diese Bilder hin.
00:07:22: Alles, was dich klein macht.
00:07:24: Alles, was dich verzehrt.
00:07:27: Alles, was uns von dir trennt.
00:07:31: Und ich bitte dich, zeige dich neu.
00:07:35: Nicht als Gott der Angst, sondern als Gott der Nähe.
00:07:40: Nicht als Beobachter, sondern als Vater, der sieht, der versteht und der bleibt.
00:07:48: Für alle, die müde sind vom Kämpfen.
00:07:51: FĂĽr alle, die gelernt haben, alles alleine tragen zu mĂĽssen.
00:07:56: Schenk, du vertrauen, wo Misstrauen ist.
00:08:00: Schenk, dufrieden, wo Unruhe ist.
00:08:04: Schenk, du Heilung, wo alte Wunden noch offen sind.
00:08:09: Gott, du kennst jede Geschichte.
00:08:12: jede Träne, jede Sehnsucht.
00:08:15: Und ich danke dir, dass du niemanden ĂĽberforderst, dass du wartest und dass du liebst.
00:08:22: Nicht wegen unseren Bildern von dir, sondern trotz ihnen.
00:08:28: Amen.
00:08:29: Glaube ist kein Regelwerk.
00:08:30: Glaube ist eine Reise.
00:08:32: Und manchmal beginnt sie genau dort, wo wir aufhören, Gott festzulegen.
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